Unterbringung in Sammeleinrichtungen

No Lager! Warum eigentlich?

Leben in Sammel-Untrekünften – Was bedeutet das für Asylsuchende?

In Mecklenburg-Vorpommern war es lange üblich Asylsuchende in Wohnungen in sogenannten „dezentralen“ Einrichtungen unterzubringen. Seit 2015 viele neue Sammel-Unterkünfte gebaut wurden, entscheidet sich die Landesregierung wieder größtenteils für eine Unterbringung in diesen Einrichtungen.
Für Asylsuchende ist diese Unterbringungsform höchst problematisch. Abgesehen von den Belastungen von Massenunterbringung, die kaum jemand ertragen kann, befinden sich unter Asylsuchenden überdurschnittlich viele Menschen mit Traumata und psychischen Belastungen. Für sie wirken sich die Symptome der Sammel-Unterbringung noch weitaus stärker aus.

Was bedeutet eine Sammelunterbringung für die Menschen?

Keine Wahl oder Ausweichmöglichkeiten
Egal, welche Erfahrungen jemand auf der Flucht oder im Herkunftsland gemacht hat – gegen eine Sammelunterbringung kann man sich nicht entscheiden. Denn die jeweilige Landesregierung hat das Recht zu bestimmen, wo jemand lebt. So werden häufig auch Anträge auf „Umverteilung“ abgelehnt, wenn gute Gründe dafür bestehen: Medizinische Versorgung, Depressionen oder Ähnliches.

 

Zwangsgemeinschaft
Mit wem man sich das Zimmer teilt in einer Sammelunterkunft – auch das kann man sich nicht aussuchen. Bindend ist im Grunde lediglich eine Trennung der Geschlechter. Bei der Zuteilung nach Herkunftsland, politischer Einstellung oder religiöser Zugehörigkeit müssen Asylsuchende auf die Sensibilität der Unterkunftsbetreiber*innen hoffen.

 

Isolierte Lage
Sammelunterkünfte liegen selten zentral. Zwar sollen sie in Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile „an einen Ortsteil angebunden“ sein. Was das konkret heißt, liegt aber an den Behörden zu beurteilen. Häufig heißt das im Flächenland: Weite Wege zu Beratungsstellen, zu Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten.

 

Fehlende soziale Infrastruktur
Wer besucht schon Sammelunterkünfte? Im Konzept angelegt ist es, dass Asylsuchende wenig Kontakt zu Außenstehenden aufbauen, denn die Hemmschwelle für Viele ist groß. Mit der sonderbaren Form der Unterbringung gehen außerdem Vorurteile und Stigmata einher.

 

Fehlende Informationen und Gerüchte
Häufig fehlt es an gesicherten Informationen über Asylverfahren, drohende Abschiebungen oder andere relevante Lebensbereiche. Durch den Ausschluss von alltäglichen gesellschaftlichen Begegnungsmöglichkeiten ist es schwer, Gerüchte und Fehlinformationen abzugleichen und als solche zu erkennen.

 

Keine Beschäftigung
„Den ganzen Tag schlafen - essen – schlafen“ , das schildern viele Menschen, die in Sammelunterbringungen wohnen müssen. Denn die Beschäftigungsmöglichkeiten sind nicht viele. Oft fehlt Zugang zu Internet, Computern oder anderem nützlichen Material, um zu lernen oder Kontakte zu knüpfen. Verbunden mit Arbeitsverboten und langen Wartezeiten im Asylverfahren drohen Depressionen und Rückzug.

 

Wenig Wohnraum
Laut Gemeinschaftsunterkunftsverordnung stehen jedem Asylsuchenden in Mecklenburg-Vorpommern 6m² Wohnraum zur Verfügung. Nicht viel. Und den muss man sich dann häufig teilen: 12 m² für zwei Menschen, 18 m² für drei Menschen und so weiter.

 

Konfrontation mit Gewalt
Gewalt ist ein wiederkehrendes Thema in Sammeleinrichtungen. Denn der Stress und der Druck, den Manche dort verspüren, entlädt sich leider zu oft in Streit untereinander. Auch fehlen Rückzugsmöglichkeiten und in den meisten Unterkünften Gewaltschutzkonzepte.

 

und immer wieder Abschiebungen
Nicht nur die eigene, auch die Abschiebung von anderen Menschen ist ein belastender Faktor für den Alltag von Asylsuchenden. Häufig geht mit einer Abschiebung die Durchsuchung mehrere Räume und nächtliche Befragungen einher.

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