Wir kämpfen unbefristet! Redebeitrag zum 1. Mai in Rostock

Den folgenden Redebeitrag hat eine Genossin auf der Vorabenddemo zum 1. Mai in Rostock gehalten. Sie berichtet von den Arbeitskämpfen und der Freiheitsbewegung im Iran. Hoch die internationale Solidarität!

Wir brauchen nicht so viel Unterstützung durch die Polizei. Wir brauchen mehr Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, in Flüchtlingslagern und sogenannten „Gemeinschafts“-Unterkünften für Flüchtlinge. Wir sind keine Extremist:innen. Wir sind einfach Arbeiter:innen, Flüchtlinge, Pfleger:innen, Erzieherinnen und Erzieher, Studenten und Schülerinnen. Wir sind Menschen, die gegen Kriege in der Welt sind. Wir wollen fragen, warum Politker:innen die Macht haben über die Corona-Pandemie zu entscheiden und trotzdem keine vernünftigen Entscheidungen treffen.

Wir arbeiten mit befristeten Verträgen und Mindestlohn. Aber wir kämpfen unbefristet und protestieren und streiken für bessere Arbeitsverhältnisse, für besseren Verdienst.

Das is kein Zustand. Es ist eine Krise des Kapitalismus.

In vielen Ländern, wie dem Iran, Lateinamerika und Indien beschuldigen die Regierungen die Bevölkerung, dass sie sich nicht an Schutzmaßnahmen halten. Doch die tatsächliche Schuld tragen die faschistischen Regierungen und faschistischen Politiker:innen. In Indien sind ca. 25% bereits infiziert gewesen, täglich gibt es rund eine halbe Millionen neu Infizierte. Die humanitäre Katastrophe dort ist groß. Die Medien und Regierung lügen und berichten falsche Statistiken über Infektionen. Aber in Wirklichkeit sind die Dimensionen viel schlimmer.

Wir sind Arbeiter:innen, Jugendliche, Frauen, Umweltkämpfer:innen, Friedenkämpfer:innen, Lehrer:innen, Wissenschaftlerinnen, pfleger, Ärzt:innen – einfach die Bevölkerung dieser Erde.

Wir ertragen den Kapitalismus nicht mehr. Wir sind keine Extremist:innen.

Ja! zum Gesundheitsschutz.

Nein! zum Abbau demokratischer Rechte und Freiheit!

Wir fordern die unbefristete Übernahme aller Azubis, Lehrer:innen, Arbeiter:innen – egal ob Einhemische oder Migrant:innen. Mehr Geld und Personal für Krankenschwestern und Pfleger:innen!

Der Kampf gegen die Einschränkung der demokratischen Rechte und Freiheiten ist notwendig und sehr wichtig. Nicht trotz, sondern gerade wegen Corona brauchen wir am 1. Mai Demonstrationen und Kundgebungen.

Arbeiter:innen, Studentinnen, Schüler, Lehrer:innen, Umweltkämpfer:innen - vereinigt euch!

Seit 43 Jahren protestieren und streiken Arbeiter:innen, Lehrer:innen, Student:innen und alle Menschen im Iran für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Arbeit für alle, unbefristete Arbeitsverträge in Städten wie Teheran, Majad, Kerman, Sanandaj usw.!

Die Leute werden geschlagen, verhaftet und gefoltert und trotzdem bleiben sie so und kämpfen weiter: Aktivst:innen organisieren sich im internet. Sie solidariseren sich und feiern den ersten Mai nicht nur im Internet, sondern auch in der Straße. Sogar in den Bergen. Heute hat mir mein Bruder erzählt, dass sie in die Berge gehen um den 1. Mai zu feiern zu können.

Eine Forderung richtet sich u.a. gegen den zu niedrigen Mindestlohn. In 2020 gab es ca 85€ Mindestlohn für Arbeiter:innen. Die Armutsgrenze im Iran liegt bei ca 400€. Außerdem kämpfen sie für die Rechte der Frauen und die Freiheit aller politischen Gefangenen im Iran.

In Kerman, einer großen Stadt in der Mitte des Iran, streiken Arbeiter:innen gegen die Privatisierung des Minenbetriebs. Die Arbeiter:innen müssen Verbrauchsmaterial wie Masken und Handschuhe selbst kaufen. Sie kämpfen für mehr Lohn. Petrochemiebetriebe und Erdölbetriebe im Südwesten streiken weiter für mehr Lohn und Arbeitssicherheit. Staatliche Mitarbeiter:innen wie Bürgerämter in Ahvaz im Süden, Loschan im Norden von Iran und in zahlreichen Städten sind für ihre Rechte aufgestanden. Sie haben seit mehreren Monaten keinen Lohn bekommen.

Sie streiken weiter.

Wir fordern die Europäische Union auf: Keine Toleranz für die faschistische Regierung des Iran, die Menschen verhaftet. Die Menschen foltert. Die Menschen erschießt. Nur weil sie für ihre Rechte auf der Straße kämpfen und protestieren.

Hoch die internationale Solidarität! Für alle Arbeiterbewegungen, Studierenden, die Jugend!

Wir leben gemeinsam auf der Erde!

Gegen Kapitalismus!

 

Danke für das Titelbild an Bildwerk Rostock (flickr). Dort findet ihr auch mehr Eindrücke von der Demo.