#RiseUp4Rojava – Redebeitrag eines kurdischen Genossen

Am 10.10.2019 fand in Rostock eine Kundgebung statt, bei der Solidarität mit der kurdischen Freiheitsbewegung ausgedrückt wurde, die momentan in Nordsyrien massiven Angriffen durch das türkische Militär ausgesetzt ist. Gerne möchten wir den Redebeitrag unseres kurdischen Freundes und Genossens Omid, den er auf der Kundgebung gehalten hat, hier veröffentlichen.

#RiseUp4Rojava

Ich bin Kurde und bin im Iran groß geworden. Auch in meiner Heimat fanden gestern und heute Solidaritätskundgebungen und Aktionen für Rojava statt. Im Iran führt das zu neuen Wellen der Repression, zu Verhaftungen und wahrscheinlich auch zu Hinrichtungen von Kurd*innen. Das iranische Regime will mit allen Mitteln freiheitliche Bestrebungen wie in Rojava unterdrücken. Den Kampf für ein freies Leben führen wir im Iran, hier in Deutschland und in Rojava.

Mich schockiert, wie die internationalen Verbündeten nun auf die letzten Jahre des Kampfes in Rojava zurückschauen. Allen voran stellt Donald Trump den revolutionären Befreiungskampf als „Klanstreitigkeit“ dar. Er zieht sich zurück, weil es angeblich nichts zu verteidigen gibt.

Über diesen Rückzug der USA müssen wir uns nicht wundern, den Donald Trump ist ein Buisnessmann. Er verkauft den Kampf für Freiheit und Fortschritt an die Türkei. In den letzten Jahren konnten wir solche imperialistischen Startegien an vielen Orten auf der Welt beobachten.

Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass in Rojava in den letzten Jahren mehr als 11.000 Revolutionär*innen gestorben sind – Kurd*innen und internationalistische Unterstützer*innen. Sie haben dort die Menschlichkeit gegen den IS verteidigt. Kein einziger US-amerikanischer Soldat ist dort gestorben – die USA präsentieren den Sieg über den IS jetzt als ihren Sieg.

Erdogan träumt unterdessen davon das Osmanische Reich wieder aufleben zu lassen. Er verwirklicht erste Schritte seiner neoosmanischen nationalistischen Expansionspolitik. Erdogans „Pufferzone“, in der 2 Millionen syrische Geflüchtete zwangsangesiedelt werden sollen, erinnert an die Siedlungspolitik Saddam Husseins nach dem Genozid an den irakischen Kurd*innen mit der Anfal-Operation 1988 bis 1989.

Erdogans Invasion richtete sich gestern zuerst gegen Städte, in denen größtenteils Zivilist*innen leben. Er entlarvt damit seinen eigenen Terror als das, was er ist: faschistisch, grausam, unmenschlich.

In Rojava sind wir heute wieder an dem Punkt angekommen, wo wir entweder aufgeben müssen oder Widerstand leisten werden. Wir können wieder keine Zukunft bauen, weil wir zwischen den Interessen der Großmächte erdrückt werden.

Der Widerstand in Rojava steht für die Aufopferung und Hingabe der revolutionären Kämpferinnen und Kämpfer an ihre Ideale. Diese Hingabe hat viele Opfer gefordert. Die Freiheitsuchenden haben es geschafft den grausamsten Feind zu besiegen: den IS und seine Gräueltaten. Sie stehen nun Erdogan und Trump entgegen. Ihre Hingabe wird auch diesem Angriff standhalten.

Die Ideen von Freiheit und Gerechtigkeit werden jetzt nicht sterben. Die linken Fortschritte in Rojava werden weiter leben. Die Emanzipation der Frauen, selbstverwaltete Kommunen, antikapitalistische Projekte – für all das werden Menschen in Rojava, in Europa und überall auf der Welt weiterhin Hingabe empfinden und Opfer bringen.

Lasst uns hier und heute die Widerständigen in den Schützengräben unterstützen.

Solidarität für Rojava!

 

Wir danken Omid dafür, dass wir seine Rede hier wiedergeben dürfen. Das Bild stammt von der Kundgebung in Rostock und wurde von Bildwerk Rostock gemacht. Bei der internationalistischen Kampagne #RiseUp4Rojava lassen sich viele weitere Kundgebungen und Aktionen gegen die türkische Militäroffensive finden.